9. Dezember 2009

Entdecke die Langsamkeit - 09.12.09

Auf dem Atlantik Richtung Antigua - Karibik
Position 13.00 Uhr lokale Zeit: 17 Grad 12 N - 55 Grad 34 W
Bereits zurückgelegt: 1755 sm
Noch vor uns: 355 sm
Wind: um 20 kn aus O
Luft: 24 Grad - sonnig mit PassatWolken
Wasser: 29 Grad - Anzeige "32,1" ist wohl defekt!!

Entdecke die Langsamkeit!
Die Lust zum Bummeln!
Der Weg wird zum Ziel!
Bloß keinen Stress nicht!
Halte durch - ist ja nicht mehr lange!
Mama, wie lange noch??

Ich hätte genügend Zeit, mir weiter Überschriften für den heutigen Tag auszudenken. Ein weiterer sonnenreicher Tag, der mit einer fürchterlich dunklen Nacht unter dicken fetten Wolken begann, aus denen literweise Regen und tütenweise Wind hervor kam. Dieses gar nicht so seltene Gemisch von tropischem Nachtwetter auf dem riesigen Ozean erzeugte wieder ungewöhnliche Schiffsbewegungen, die der wackeren Mann(!)schaft wieder zeigte, wie unruhig Mann schlafen kann oder wie ungerne Mann wieder nach dem merkwürdigen Wetter da draußen sieht und ohne die Beleuchtung des versteckten Mondes an den verteilt liegenden Strippen, Schoten und Fallen herumfummelt. Nun ist Schluss mit Prosa: hier scheint nun die Sonne und die lacht wohl über den kleinen Seemann, der mit Taschenrechner und Hirn bewaffnet keine andere Lösung findet als: Segelfläche auf 10% zusammen streichen! Hier wird nun Material geschont!!
Und das kommt so: Die Restdistanz beträgt zur Zeit 370 sm. Ankunftszeit soll 8.00 - 13.00 Uhr sein. Es ist jetzt 10.00 Uhr. Was sagt uns das? Nun, entweder wir kommen übermorgen an und brauchen dafür eine Reisegeschwindigkeit von mehr als 7,5 kn: das ist unmöglich, denn die theoretische Höchstgeschwindigkeit von Mirmel ist 7,2 kn oder aber wir kommen einen Tag später an und dürfen dafür schon jetzt mal die Geschwindigkeit auf knapp über 5 kn senken. Das ist gar nicht so einfach bei 5-6 Windstärken!! Langsamkeit ist also angesagt und so dümpeln wir in dem schiebenden Äquatorialstrom nur so dahin!! Wer nun glaubt, dass dadurch das Schaukeln an Bord besser geworden sein soll: kommt her und guckt selber nach!! Ein Zitat von einem ebenfalls auf der Route befindlichen Schiff aus einer Mail, die mich heute morgen erreichte: "wir sind etwas genervt und wollen jetzt eigentlich nur noch ankommen!" Laut gelacht habe ich dabei und gedacht: das geht mir genau so!!

8. Dezember 2009

Kapern gegen SojaSauce - 08.12.09

Auf dem Atlantik Richtung Antigua - Karibik
Position 13.00 Uhr lokale Zeit: 17 Grad 02N - 50 Grad 46 W
Bereits zurückgelegt: 1618 sm
Noch vor uns: 492 sm
Wind: um 17 kn aus O
Luft: 25 Grad - sonnig mit PassatWolken in der Ferne
Wasser: 29 Grad


Wer einmal mit mir segeln war, der weiß: kein Geräusch ist zu gering, um es nicht wert zu sein, ausfindig gemacht zu werden. Es könnte sich ja hier ein größerer Schaden am Material ansagen.

Wenn nun nachts aufgrund einer wundersamen Wellenkombination das ganze Schiff derart in Schragläge gerät, dass das Geschepper im Topfschrank laut anzeigt: "jetzt ist was besonderes los", dann weiß ich auch im Schlaf: wach werden und aufpassen! Einmalig oder immer? Einmalig: egal. Immer wieder: aufstehen und Fehler suchen: stimmt der Kurs noch, nimmt der Wind zu??

Was ist aber, wenn die Bilge, in der die Getränke lagern, bei einem Zehntel der Wellen anzeigt: Dosen rutschen nach Backbord? Dann habe ich zu viel getrunken und zu wenig aufgefüllt. Also auffüllen!!

Nun gibt es aber auch diese Geräusche: Klick - klack - klick - klack. Was ist das und ist am Mastfuß am lautesten?? Schon nach wenigen Minuten ist klar: eine kleine Dose im Vorratsfach rollt langsam hin und her und stößt entweder gegen eine andere Dose (klack) oder aber gegen die Wand, an der auch der Mastfuß ist (klick). Einfach behoben: umpacken!

Jetzt eben gerade knatschte es gewaltig im Schiff: als wenn irgendwelche Konstruktionsteile enorm gegeneinander arbeiten. Kaum eine Viertelstunde später, war das Geknarze weg: der Mast und der Mastfuß sind wohl so mit Salzkruste gefüllt, dass das passieren muss! Anti-Quietsch-Spray und das war´s dann wieder. Hoffentlich nicht täglich bis zum nächsten Süßwasseranschluß.

Der Höhepunkt seit gestern abend (ich brauchte die Sojasauce): Egal, was immer ich auch unternehme (bis jetzt): in der GewürzflaschenAufbewahrung ist der Teufel los: Da flirten geräuschvoll die Kapern mit der Sojasauce, die WorchesterSauce amüsiert sich klirrend mit dem MajonäsenGlas oder die SteakSauce kämpft klickreich gegen die CocktailSauce!! Und bevor die sich noch eine neue Kombination ausdenken muss ich da jetzt einschreiten! Endgültig!! Ruhe im Schiff!!

Ansonsten auch noch erwähnerswert: Die letzte Nacht war schlicht und einfach wunderbar!!!! Der gewünschte klare Nachthimmel mit Sternen war immer da und so brachten Wellen und Wetter mich in die Lage zu schlafen. Um 19.30h also ging´s zu Bett, nachdem ich Mirmel langsamer gemacht hatte. Hatte ich gedacht. Nur Genua wegrollen ging gar nicht, weil Mirmel dann nur noch wackelte. Also was anderes: doch statt Speed runter ging es rauf?? Den ganzen Tag über fahre ich Vollzeug Schmetterling und zur Nacht reffe ich das Groß in das 2. Reff und die Genua in das 1. Reff und Mirmel wird noch schneller!! Und wie sie im Wasser liegt. Fast wie ein Brett. Na gut, ist mir ja eigentlich egal, warum ich gut schlafen kann. Dann eben mit fast 7 kn durch die Nacht!! Nach Mitternacht stelle ich dann fest: 148 sm in den letzten 24 Stunden. Sehr gut! Die regelmäßigen Wachen - schon wegen der Seemannschaft - tun hier nichts zur Sache!

7. Dezember 2009

11. Seetag oder so - 07.12.09

Auf dem Atlantik Richtung Antigua - Karibik
Position 13.00 Uhr lokale Zeit: 17 Grad 02N - 50 Grad 46 W
Bereits zurückgelegt: 1480 sm
Noch vor uns: 630 sm
Wind: um 20 kn aus O
Luft: 26 Grad - sonnig mit PassatWolken in der Ferne
Wasser: 29 Grad


Womit zu rechnen war: In der Nacht ist das Segeln genau so anspruchsvoll wie das Segeln bei Sonnenschein; die Sonne geht pünktlich wieder auf und wird laut begrüßt; das Meer ist voller Wellen bis zum Horizont; Schiffe oder die Küste sind nicht in Sicht; einige Passatwölkchen haben es sich gemütlich gemacht; der Wetterbericht ist abgeholt; der Skipper hat heute mal 2 Scheiben VollkornBrot gefrühstückt (hört hört); die Küche ist gemacht; die sonstigen Jobs an Bord werden vorsichtig und langfristig eingeplant; ständig wird die Geschwindigkeit im Auge behalten; morgens wird ein UWW-Funkspruch abgesetzt (den wohl wieder niemand hört und beantwortet); der Apfel oder Yoghurt ist gegessen; das Bett wird unter Deck (spritzwassergeschützt) gelüftet; Getränke sind im Kühlschrank; die Maschine läuft (wie jeden Morgen zum Strom produzieren - die Batterien haben wohl einen Knacks mitbekommen); das Mittagessen ist ausgesucht; das Logbuch wird gerade geschrieben; Mails sind beantwortet; das Begucken der Fische ist erst einmal beendet (waren wieder nur die der fliegenden Abteilung da); die verendeten fliegenden Fische sind wieder über Bord; in die Tagträume mischen sich die Sehnsüchte der Verlockungen an Land; der Ankunftstag wird wieder berechnet und ändert sich doch nie; Bücher werden gelesen und wieder beiseite gelegt; der Salzwasservorrat in Flaschen ist abgefüllt (zum Eierkochen und Vorspülen): welcher Tag ist heute ?? - oder war das alles schon gestern ?? - oder wird es morgen auch so sein???!!! BordAlltag eben!! Aber: ich soll das Fotografieren nicht vergessen .... noch mehr Wasser und Himmel??

6. Dezember 2009

2. Advent & Nikolausi - 06.12.09

Auf dem Atlantik Richtung Antigua - Karibik
Position 13.00 Uhr lokale Zeit: 17 Grad 01 N - 48 Grad 07 W
Bereits zurückgelegt: 1327 sm
Noch vor uns: 783 sm
Wind: 15 - 20 kn aus ONO
Luft: 26 Grad - sonnig mit PassatWolken in der Ferne
Wasser: 29 Grad - Anzeige: 31,6 (!!)

Heute ist also der 2. Advent und NikolausTag und ein toller sonniger SegelSonntag bei angenehmen Temperaturen auch im Wasser (s.o.).

Nun sollte ich erst einmal die Nacht loben: sie war toll und relativ ruhig und ich habe viel Zeit in der Koje verbracht, wenn auch nicht immer geschlafen - kann man sich eigentlich im Schlaf festhalten?? Und wir haben super gesegelt und ordentlich verlorene Zeit wieder gut gemacht. Glückwunsch Mirmel!!

Ja, den Stiefel, den hatte ich nicht raus gestellt!! Neulich Nacht, da sitze ich so gegen 2 Uhr oder so ganz achtern im Cockpit auf meinem Lieblingsplatz (meist bin ich eine Stunde ununterbrochen mitten in der Nacht draußen und gucke Wolken, Sterne, Sternschnuppen und Wellen) da passiert der größte anzunehmende Schreck (GAS): ein fliegender Fisch erwischt mich!! Am Unteram - und klatscht dann weiter gegen meinen Unterschenkel und geht dann über Bord...... Junge, war das ein schwerer Brocken, der hätte gerne einen Hering abgeben können!! Und wie stinkt es denn hier jetzt?? Fischbude mit altem Fisch???? Ekelhaft!! Nichts wie waschen im guten Süßwasser mit Spüli. Viel hilft viel!! Ja, und nachdem hier jeden Tag Bescherung mit fliegenden Fischen ist: ich habe drauf verzichtet einen in meinem Stiefel zu fangen!!

Aber trotzdem habe ich etwas sehr Wertvolles bekommen: gestern habe ich den 45. Längengrad übersegelt und mir die 1 Stunde für heute aufgespart!! Nun lebe ich schon 4 Stunden nach Eurer Zeit zu Hause. Deswegen erscheint der Eintrag im Logbuch auch immer später. 13.00 Ortszeit ist meine Zeit!

Heute war also "Außenborder-Essen" bei meinen Eltern: gerne wäre ich bei Euch gewesen und hätte mir Eure Erlebnisse aus Spanien angehört und Euch gerne auch etwas von meiner Reise erzählt und "Außenborder" gegessen. Das holen wir nach!!! o.k.??

Nachdem nun heute "ProgrammTag" ist, ist folgendes erledigt: 2. AdventsKugel aufgehängt; 6. Türchen im Kalender geöffnet; Vorschiff wieder klariert; Getränke-Keller (Bilge) aufgefüllt, damit nicht alles nachts durcheinander rutscht; SüßwasserDusche nach SalzwasserPützen genommen; vertörntes RollGroßsegel wieder klariert (war im Mast nicht so in Ordnung); Schluck des Tages genommen - auf weniger als 800 sm Rest -, Mails geschrieben und Essen (SchweineRouladen mit Bratkartoffeln und Bohnen) ausgesucht. Nun wird es langsam Zeit für "Sonntag"!

Ich ziehe mich nun zurück und genieße das Segeln hier!!

5. Dezember 2009

Eine GruselNacht - 05.12.09

Auf dem Atlantik Richtung Antigua - Karibik
Position 12.38 Uhr lokale Zeit: 17 Grad 02 N - 45 Grad 27 W
Bereits zurückgelegt: 1175 sm
Noch vor uns: 935 sm
Wind: gut 20 kn aus O
Luft: 24 Grad - sonnig mit Wolken
Wasser: 29 Grad - Anzeige: 30,6


Die Vorbereitungen für das Bergfest liefen gut an aber ..... dann kam die Nacht und es ging los:

Es fing an mit Wetterleuchten und Blitzen in der Dämmerung um mich herum. Erst nur im Norden und ich machte mich auf den Weg Richtung Süden. Dann aber überall. Stundenlang!! Das ist gespenstisch und Blitze sind gefährlich!! Und mit einer Intensität: unglaublich. Praktisch zuckte das Leuchten permanent! Die längste Pause war mal 2 Sekunden. Ich hatte zwischenzeitlich alles für den Notfall rausgelegt. Irgendwann, als der Regen auch noch heftig dazu kam, beschloss ich dann glücklicherweise, dass das Zusehen auch nix bringt und habe mich dann einfach hingelegt. Ich hatte alles getan. Wecker auf 15 Minuten. Dann mitten in der Nacht: Wir fahren nach Brasilien: der Wind hatte gedreht und wehte statt aus Ost nun aus NordWest und er hatte stark zugenommen - ging eigentlich gar nicht mehr. Der Himmel zuckte immer noch! Also raus und Segel runter und Ruder neu eingestellt und dann mit ca. 4 qm Segelrestfläche (das ist fast nix) mit fast 4 kn und halbem Wind einigermaßen einen vernünftigen Kurs steuern. FrischWasserDusche genommen - Seife vergessen! Wieder versuchen etwas Schlaf zu bekommen. 15 -MinutenRhythmus. Es geht irgendwie. Dann nimmt der Wind ab und dreht leicht zurück. Immer weiter und jedes Mal die Segel neu ausrichten und
trimmen. Dann um 3.20 Uhr: Flaute!! Motor an, was soll´s. Hauptsache der Skipper bekommt jetzt mal ´ne Runde Schlaf. Wieder im 15-MinutenRhythmus.Und dann gegen 5.30 Uhr: plummmmmmmssss!! Da ist der Skipper doch einfach aus der SteuerbordSalonKoje gekippt worden, er wachte auf und wünschte sich: "Hey, alles nur ein Traum!!!!!" Aber wer hat dann die LogbuchEinträge mit meiner Schrift geschrieben?? Eben kein Traum sondern das Ende einer gruseligen Nacht!
Das ausgefallene Abendbrot wurde jetzt nachgeholt: Rühreier mit Zwiebeln und selbstgebackenes HefeBrötchen - konnte die Aufbackbaguettes nicht mehr finden - sind da etwa keine mehr??
Statt nun heute vormittag zu schlafen, hat Mirmel entschieden erst einmal die verlorene Zeit der letzten Nacht aufzuholen und flitzt ab!! Wir haben 6 Windstärken und mächtig Rückenwind - das bringt´s. Nun kontrolliere ich also den Speed und reffe immer weiter ein. Das Material muss halten!! Die 3 großen Wale in einiger Entfernung grüßen mit ihrem mächtigen Blas - wollen aber nicht näher kommen - vielleicht auch gut so!

4. Dezember 2009

SONDERVEROEFFENTLICHUNG & EINLADUNG

Hallo Ihr alle!!

Es ist Freitag der 04. Dezember 2009 -
13:02 Ortszeit - 15:02 UTC - 16:02 zu Hause

Nun ist es soweit: von den 2110 Seemeilen von den KapVerden bis nach
Antigua ist genau die Hälfte geschafft!!!!!!

Ab jetzt geht es bergab und das fühlt sich prima an! Das meiste Wasser liegt jetzt schon hinter uns!! Mirmel genießt das Rasen durch den großen Ozean und ich freue mich riesig!

Drum lade ich Euch alle ein: Kommt heute abend in das "Midatlantic Hilton"- wir werden auch vorbei fahren!! Mit Paris ist nicht zu rechnen, da sich keine Reporter angesagt haben und sich eigentlich niemand für sie interessiert. Ihr findet das "Midatlantic Hilton" ganz einfach: http://www.skipperguide.de/wiki/The_Midatlantic_Hilton (kopieren und im Webbrowser einfügen, falls der Link nicht klappt - externe Inhalte = externe Verantwortung). Ich erwarte Euch alle!!

Vorab gibt es für den Skipper: den letzten Tropfen Rum vor der Karibik. Nun haben wir keinen mehr an Bord und einen Grund mehr, uns zu beeilen!!

Zusagen erwünscht!!

Abwechslung - 04.12.09

Auf dem Atlantik Richtung Antigua - Karibik
Position 12.38 Uhr lokale Zeit: 17 Grad 08 N - 43 Grad 19 W
Bereits zurückgelegt: 1052 sm
Noch vor uns: 1058 sm
Wind: 20 kn aus O
Luft: 26 Grad - sonnig mit Regenfronten
Wasser: 29 Grad - Anzeige: 30,6

Sicherlich glauben viele, dass so eine Seereise so ganz allein auf dem großen Ozean langweilig sein muss. Aber: weit weit gefehlt!! Gestern zum Beispiel hatte ich das erste Mal Musik an und hab die Umgebung beschallt und mitgesungen und mitgeklatscht und, und, und. Zum Abendbrot gab es mal nichts aus der Dose sondern eine frische selbstgemachte Pizza aus Hefeteig. Und das Abendprogramm am Donnerstag: 19.00 Uhr: Tatort mit Ulrike Folkerts. Zwischendurch: Aufspringen, wegen komischer Schaukeleinheiten: der Wind hatte gedreht und schlief ein und zwar komplett also zur Abwechslung: Motor an! Nach dem Tatort in die Koje und Wecker stellen. Auf dem Radar hatte ich zuvor schon 3 Schiffe gesichtet, die mit mir in großem Abstand wohl parallel fuhren. Dann um 01.20 Uhr war es soweit: der Wind war wieder da. Und AIS funktioniert auch, denn er löst einen Alarm aus: Huch!! Hier Berufsschifffahrt?? JO! In 4 Meilen Entfernung werden wir sauber passiert. Gut so! Segel wieder gesetzt und wieder hinlegen. Um 05.45h werde ich wieder von Mirmel geweckt - irgendwas ist anders: der Wind hat zugelegt und gleich wird es regnen!! Zum ersten Mal seit Wochen regnet es wieder und zwar richtig und der Wind springt dabei so schnell um über 90 Grad, dass keine Windsteuerungsanlage da mitkommen kann. Und es pustet wie irre!! Segel flattern im Wind. Also alles von Hand im Dunkeln: Segel bergen so schnell es geht; Motor an und Lage kontrollieren. Alles prima. Gut, dass ich schon wenige Minuten früher das alles gefühlt habe. Ich bin natürlich klitschnass. Meine 2 Kleidungsstücke trocknen, derweil ich nach dem "Anfall" wieder die Segel setze und die Fahrt normal fortsetze. Einer der 3 Segler von heute nacht fährt übrigens fast neben mir (1 sm) - er ist größer (wie fast alle hier) und wird mich hoffentlich bald überholt haben und hinter der Kimm verschwinden. Das war doch erstmal genug Abwechslung ...... oder?? Ich hab´s gerne viel ruhiger - auch dabei wird es mir nie langweilig!!

3. Dezember 2009

Neuigkeiten - 03.12.09

Auf dem Atlantik Richtung Antigua - Karibik
Position 13.00 Uhr lokale Zeit: 16 Grad 58 N - 41 Grad 09 W
Bereits zurückgelegt: 926 sm
Noch vor uns: 1184 sm
Wind: 18 kn aus O
Luft: 26 Grad - sonnig mit kleinen Wölkchen
Wasser: 29 Grad

Hier gibt es heute mal was richtig Neues: Rinder! Genauer Bullen: Hier gibt es jetzt die kostenlose bull-riding-Show auf der Mirmel. Dazu legt man sich einfach hin und wartet auf das Einschlafen. Und dann kommt es: wilde Bewegungen in alle Richtungen mit plötzlichen Richtungsänderungen. Segeln wir jetzt etwa rückwärts?? Bloß nicht aus der nicht gesicherten Koje fallen dabei. Also noch mal etwas Decke als Deich unter die Rippen geschoben und: Sie haben die nächste Runde erreicht! Also raus und gucken, wer da im Meer rührt: alle wieder weg - keiner zu sehen! Noch `n Versuch!! Diesmal scheint der Dirigent gnädig und vergisst etwas seinen Job. Ich kann etwas schlafen und dann fällt ihm doch wieder ein, wozu er da ist: die nächste Runde bull-riding!!! Mist, wieder aufgewacht und nun? Was soll ich tun, der Typ will nicht nach Hause. Also noch mal raus und gucken. Blöde Wellen und blöde Geschwindigkeit und sowieso...... Aber guck mal, es geht schon wieder... also schnell Äuglein zu und einfach mitgehen .... das ist der Rhythmus, wo man mit muss!!!
Nun gut, jetzt ist die 2. Hälfte des RahmGulaschs (leckerlecker) gegessen und weil es irgendeinen Grund zum Feiern gab, erhielt ich auch ein "kleines Schlööckchen" roten Wein und nun kommt die Siesta, derweil das Rondo Veniziano zum Tanze aufspielt.......... döööööööööööööösssssss.... und schick die Bullen auf die Weide!! Bitte!!

2. Dezember 2009

Segeln macht schlank - 02.12.09

Auf dem Atlantik Richtung Antigua - Karibik
Position 13.00 Uhr lokale Zeit: 16 Grad 52 N - 38 Grad 50 W
Bereits zurückgelegt: 795 sm
Noch vor uns: 1315 sm
Wind: 18 kn aus ONO
Luft: 26 Grad - Sonne pur
Wasser: 29 Grad


Schon seit langer Zeit behaupte ich: Segeln macht schlank!! Und ich
glaube, das ganz einfach erklären zu können: Auf der Ostsee zum Beispiel fährt man Tagestörns und die sehen bei mir so aus: ganz wenig Frühstück, vielleicht etwas Obst zum Mittag (es ist ja so viel zu tun) und abends dann die Hauptmahlzeit, sozusagen als Belohnung und in aller Ruhe und mit Genuß! Hier sieht es kaum anders aus: ganz wenig Frühstück (ein Müsliriegel) und zum Mittag dann etwas ganz Schnelles (am besten von gestern abend) und dann zum Abend etwas dem Seegang Angemessenes. Das ist von der Tütensuppe bis zum Gulasch mit Spätzle und Salat - und immer was für morgen übrig lassen!! Was gab es denn bereits unterwegs: Erbsensuppe aus der Dose mit reichlich Würsteln, Jagdwurst(Dose)-Hamburger, Rindergehacktes (eingeweckt) in CurryRahm mit Ananas an BasmatiReis, Schwarzbrot mit Salat und gebratenem Käse und angeschwitzten Zwiebeln (geht ganz schnell), RagoutFin mit Spargel und Reis, spanische Hackbällchen (Dose) mit frischem Baguette, Tagliatelle a la Carbonara (Tüte) und heute abend: selbstgemachtes RinderRahmGulasch (eingeweckt) mit Champignons und Nudeln. Aufgrund der Bewegung hier an Bord, die alles so anstrengend macht, reichen aber schon kleinste Portionen zum SattSein, denn bereits das Kochen ist Aufwand genug und der Appetit läßt von ganz alleine nach. ZwischenMahlzeit: frisches Obst oder Früchte-Jogurt(neue deutsche Reform??), der mit Mindesthaltbarkeitsdatum 26.09. war noch superlecker.

Es wird mir also das Ausmaß des Seeganges bei der Ankunft anzusehen sein. Oder auch nicht!!

1. Dezember 2009

vorwitzige Wellen - 01.12.09

Auf dem Atlantik Richtung Antigua - Karibik
Position 13.00 Uhr lokale Zeit: 16 Grad 53 N - 36 Grad 25 W
Bereits zurückgelegt: 656 sm
Noch vor uns: 1454 sm
Wind: 20 kn aus ONO
Luft: 26 Grad - Sonne pur
Wasser: 28 Grad

Nun segle ich also im Passat: einem sehr beständigen Wind, der in dieser Jahreszeit noch moderat ist und zwischen dem Äquator und dem nördlichen Wendekreis anzutreffen ist. Es weht hier immer aus nordöstlichen Richtungen. Das passt natürlich gut, wenn man von den KapVerden in die Karibik will. Der Wind hat dabei die Gelegenheit Wellen aufzubauen, die doch schon erheblich sind. Aber bislang sind sie weder gefährlich noch ausgesprochen groß. Nur ist Mirmel dagegen so arg klein und wird dabei wie ein Korken hin und her geworfen. Kommt die Welle genau von achtern ist das wie Fahrstuhl fahren. Man merkt es kaum. Das passiert aber nur sehr selten. Viel wahrscheinlicher kommt die nächste Welle etwas schräg von achtern und dann werden wir beim Herunterfahren auf eine SchiffsSeite gedrängt während das Heck langsam herumschiebt. Damit hat sich auch der Kurs geändert und das ganze muss vom Steuermann korrigiert werden - typischerweise macht er das, wenn die nächste Welle anrollt. So entstehen viele aneinander gehängte Kurven - von oben betrachtet. Auf dem Schiff nun stellt sich das so dar, dass zunächst das Schiff zur einen Seite krängt und dann im gleichen Maße auf die andere Seite. So "wackelt" Mirmel so um die 15 Grad zu jeder Seite - von achtern betrachtet. Setzt man nun diese beiden Bewegungen zusammen und nimmt auch noch den "Fahrstuhl" hinzu: das gibt einen Schaukelkram!!!!

Und nun noch die Wellen, die sich genau gegen die Bordwand brechen: das gibt einen gehörigen Wums und beim Skipper einen kurzen Schreck. Das passiert nur ganz selten! Und dann passierte es beim Rasieren: das Fenster war auf, um die frische Morgenluft herein zu lassen und es wummst gegen die Bordwand. Wenige Spritzer finden den Weg durch das Fenster und landen auf meinem Bauch. Sachen gibts!! Und während ich noch völlig erstaunt auf das Meer blicke kommt die nächste Welle und macht das ganze noch einmal: diesmal aber richtig und so stehe ich in meinem kleinen Bad und nehme eine SalzwasserDusche!!! Nun gut, zwischenzeitlich ist das Fenster wieder zu, das Bad wieder trocken und dabei gereinigt und ich habe neues Zeug an!